Drei Fragen an Florian Rzepkowski

Was bedeutet der Kulturmarathon für Sie?
Er bietet die Möglichkeit, konzentriert auf das kulturelle Angebot der Stadt aufmerksam zu machen. Zusätzlich ist es auch kleineren Institutionen und Soloselbstständigen möglich ohne finanzielle Mittel sichtbarer zu werden. Und ihre Projekte zu zeigen, die ohne zusätzliche Mittel nicht hätten realisiert werden können. Da diese Projekte oftmals ohne den direkten Kontakt zum Publikum funktionieren, braucht es eine Plattform, um die Reichweite zu erhöhen. Die Relevanz des künstlerischen Blicks auf die Gesellschaft, ihre Bedürfnisse und Verfehlungen, darf nicht durch das Unsichtbarmachen von Kultur durch den Ausschluss des Publikums determiniert werden. Darum ist die Unterstützung innerhalb eines Kulturmarathons so eminent.

Wie haben Sie die Corona-Phase bezüglich der Kultur bislang erlebt?
Die „Corona-Phase“ gliedert sich in verschiedene Teilphasen. Zunächst gab es aufgrund der Machtlosigkeit eine Phase der Resignation. Gefolgt von einer Phase Möglichkeiten aus der Krise zu suchen und dafür zu kämpfen. Nach dem das auf einigen Ebenen zum Erfolg führte, kam die Phase diese Möglichkeiten nun auch zu nutzen und zu realisieren. Wahrscheinlich die kreativste Phase, die zu neuen Ideen und Ansätzen führte, die es unter anderen Umständen nicht gegeben hätte. Derzeit läuft die Phase des Alltags im Ausnahmezustand. Veranstaltungen können realisiert werden, neue Projekt wurden fertig gestellt und werden gezeigt und das Publikum wird zunehmend interessierter wieder kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Allerdings bleibt der Platz für Publikum gering, der Aufwand hoch und die finanzielle Belastung weiterhin immens.
Das alles passt in ein halbes Jahr, welches in der Rückschau wie vorgespult wirkt und das nun die Frage stellt, wie lange kann es so noch weitergehen? Und diese Frage sich zu stellen ist schon Luxus, da doch Andere aus der Kulturbranche bereits diese Frage nicht mehr stellen können.

Was wünschen Sie sich in der Zukunft für die Kulturlandschaft in Osnabrück?
Als Institution der Freien Szene ist meine Betrachtung bei der Frage natürlich beschränkt, da diese nicht die gesamte Kulturlandschaft einbezieht.
Es braucht meiner Meinung nach natürlich viel mehr finanzielle Mittel für die Freie Szene. Gerade auch, um eine Professionalität anzustreben, die Osnabrück auch über Osnabrück hinaus repräsentieren kann. Ich habe auch das Gefühl, es braucht eine feste Institution, die sich den Belangen der Freien Szene annimmt und diese bündelt. Eine Position, die fest angestellt, diese Bedürfnisse nicht allein aus eigenem Engagement und Trieb herausstellen und verteidigen muss.
Es braucht (jetzt mal sehr in Richtung Theater gedacht) auch eine Produktionsstätte, um Vorhaben realisieren zu können und Angebote zu schaffen. Und auch, um wirklich professionelle Arbeit leisten zu können. Und es braucht eine Bühne, die hinsichtlich Ausstattung und Kapazität auch kleineren Institutionen und Soloselbstständigen Möglichkeiten bietet, die derzeit nicht gegeben sind.

FOTO: MIPHA